top of page

Therapieansätze

Drangproblematik

Bild

Warum drängt die Blase?

Resultierend aus einer vergrößerten Prostata, welche nicht nur nach außen, sondern auch nach innen wächst verengt sich die Harnröhre. Beim Urinieren muss die Blase beim Urinieren mehr Druck anwenden, um den Urin durch die Harnröhre zu entleeren. Nachdem die Blase ein Muskel ist, verdickt sich die Blasenwand durch die vermehrte Aktivität, die Blase verliert an Dehnbarkeit und die Füllmenge wird geringer. Über die Jahre entwickelt sich so eine hyperaktive Blase.

 

Kennen Sie folgende Symptome?

  • Sie müssen teilweise sehr dringend die Toilette aufsuchen. (Sie haben das Gefühl es nicht mehr rechtzeitig auf die Toilette zu schaffen. Plötzlicher starker Harndrang, obwohl Sie Ihre Blase kürzlich entleert haben.)

  • Sie müssen häufig auf die Toilette. (Abhängig von Ihrer Trinkmenge und der Art der Getränke.)

  • Sie müssen auch in der Nacht mehrmals auf die Toilette. (Ab etwa 60 Jahren ist 1 Mal nächtliches Aufstehen in Ordnung.)

 

Therapie

Ziel ist es Ihre Blase zu beruhigen und/oder ihr Fassungsvermögen zu vergrößern.

Bevor Sie mit der Therapie beginnen können, führen Sie ein Blasentagebuch anhand dessen wir gemeinsam einen Therapieplan erstellen.

  1. Analysieren der Gewohnheiten                                                                                                                                            Trinken, essen, präventive Toilettenbesuche z.B. beim Verlassen des Hauses, …

  2. „Erziehen der Blase“                                                                                                                                                                    Die 4 Strategien zur Beruhigung Ihrer hyperaktiven Blase finden Sie hier.

  3. Alltagstipps                                                                                                                                                                                Keine kalten Füße, nicht auf kalte Untergründe setzen, welche Getränke/Nahrungsmittel verstärken Ihre Symptome, …

Inkontinenz

Inkontinenz nach radikaler Prostataentfernung (Radikale Prostatektomie)

Durch die Nähe des Operationsgebietes zum äußeren Harnröhrenschließmuskel und die veränderten anatomischen Gegebenheiten kommt es in vielen Fällen postoperativ zur Funktionsbeeinträchtigung des Harnröhrenschließmuskels und somit zu Inkontinenz.

Oft wird die Wahrnehmung für den Harnröhrenschließmuskel durch die OP beeinträchtigt. Daher ist es von Vorteil, wenn Sie bereits vor dem Eingriff mit dem Training beginnen.

Weiters wird der Harnröhrenschließmuskel durch das Training vorab gekräftigt was sich positiv auf die postoperative Funktionalität auswirkt.

Inkontinenz nach Prostataausschabung (TURP)

Etwa ab dem 40. Lebensjahr beginnt die Prostata zu wachsen. Sie wächst nicht nur nach außen, sondern auch nach innen und verengt somit die Harnröhre.

Dadurch ergibt sich, dass der äußere Harnröhrenschließmuskel über Jahre oder gar Jahrzehnte weniger belastet wird und somit langsam schwächer wird. Nach der Operation ist die Enge in der Harnröhre beseitigt und der äußere Harnröhrenschließmuskel somit wieder voller Belastung ausgesetzt. Zusätzlich muss er die Arbeit des inneren Harnröhrenschließmuskels übernehmen, da dieser bei der OP entfernt wird. Das kann den äußere Harnröhrenschließmuskel überfordern, was einen unfreiwilligen Harnverlust zur Folge hat.

 

Bild

Übung: Wie schnüre ich gezielt den Harnröhrenschließmuskel?

Setzen Sie Sich in aufrechter Position auf einen harten Sessel und schließen Sie die Augen. Sie spüren einen leichten Druck zwischen Hoden und After. Stellen Sie Sich vor, dass ein Tropfen Urin die Harnröhre hinunterrinnt. Sie fangen diesen Tropfen mit dem Harnröhrenschließmuskel auf, halten ihn für einige Atemzüge fest und lassen danach den imaginären Tropfen weiterrinnen.

Achtung:

  • Üben Sie in ruhiger Atmosphäre.

  • Beginnen und beenden Sie die Übungseinheiten jeweils mit einigen Minuten tiefer Bauchatmung.

  • Schnüren Sie den Harnröhrenschließmuskel nur mit max. 50% - fester bedeutet nicht besser.

  • Sie sollten die Anspannung zwischen Hoden und After spüren – der After selbst bleibt locker.

  • Lassen Sie das Gesäß und die Oberschenkel locker.

 

Wiederholen Sie die Übung zu Beginn mehrmals täglich, um die Bewegung kennenzulernen und die Sensibilität zu schulen.

Übung: Wie unterscheide ich äußeren Harnröhrenschließmuskel und Afterschließmuskel?

Setzen Sie Sich in aufrechter Position auf einen harten Sessel und schließen Sie die Augen. Schnüren Sie den äußeren Harnröhrenschließmuskel – für 2-3 Sekunden halten – lockerlassen. Rollen Sie mit dem Becken nach hinten, sodass Sie auf dem Steißbein sitzen. Schnüren Sie den Afterschließmuskel – 2-3 Sekunden halten – lockerlassen. Wiederholen Sie diese Bewegung 2-3 Mal. Danach richten Sie Sich wieder auf und schnüren Sie 2-3 Mal den äußeren Harnröhrenschließmuskel.

Spüren Sie den Unterschied?!

Der Afterschließmuskel spielt beim Kontinenztraining eine völlig untergeordnete Rolle. Ihre Konzentration sollte ausschließlich auf dem Harnröhrenschließmuskel liegen.

Impotenz (Erektile Dysfunktion)

Impotent nach Prostataoperation?

Bei der Radikalen Prostatektomie (operative Entfernung der Prostata) werden die                                                                  Nervi Erigentes (die Erektionsnerven) auch bei nervenerhaltenden Operationen, wenn auch nicht                                      beschädigt, so doch in vielen Fällen in ihrer Funktionsfähigkeit gestört. Daraus resultierend funktioniert die Erektion des Penis nur eingeschränkt oder gar nicht, es wird viel zu wenig Blut in die Schwellkörper transportiert.

Ziel der Physiotherapie ist es einerseits die Regeneration der Nerven zu fördern, andererseits den morphologischen Veränderungen (der Penis verkürzt sich, die Schwellkörper degenerieren) des Penis entgegenzuwirken.

Welche Möglichkeit haben Sie nun, um Ihre Potenz möglichst wiederzuerlangen:

  1. Aktivierung der die Potenz fördernden Beckenbodenmuskeln („Liebesmuskeln“)                                                                Bei der Erektion des Penis fließt vermehrt Blut in die Schwellkörper. Die dafür zuständigen Beckenbodenmuskeln verhindern den Blutrückfluss und ermöglichen so eine Erektion.

  2. Förderung der Regeneration der Erektionsnerven                                                                                                                durch die Aktivität der Beckenbodenmuskulatur und „Eigenmassage“ des Penis

  3. Durchblutungsfördernde Maßnahmen                                                                                                                                      Z.B. Wechselduschen, Aktivität der Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur, …

  4. Einsatz einer Vakuumpumpe (außer bei starker Blutverdünnung) für die penile Rehabilitation (Längenerhalt des Penis, bessere Durchblutung des Penis, Funktionserhaltung der Schwellkörper)                                                                            Bitte besorgen Sie Sich eine medizinische Vakuumpumpe.

  5. Medikamente – PDE-5-Hemmer                                                                                                                                Medikamente wie das allseits bekannte Viagra erweitern die Gefäße im Penis. Nach der Prostatektomie, möglichst ab dem Zeitpunkt der Katheterentfernung, wird je nach Produkt täglich oder jeden zweiten Tag eine Minimaldosis eingenommen – Ziel ist nicht eine für die Penetration ausreichende Erektion, sondern eine bessere Durchblutung des Penis. (Vorsicht bei blutverdünnenden Medikamenten. Über die entsprechende Medikation informiert Sie Ihr Urologe.)

  6. Alltagsinformationen                                                                                                                                                                    Z.B. Beginnen Sie mit dem Radfahren frühestens nach 3 Monaten und unter Verwendung eines speziellen Prostatasattels.

Übung: "Peniswinken"

Die Liebesmuskeln liegen am Damm (der Bereich zwischen Hoden und After).

Setzen Sie Sich in aufrechter Position auf einen harten Sessel und schließen Sie die Augen. Stellen Sie Sich vor Sie hätten eine Erektion. Ziehen Sie mit der Inneren Muskulatur den Penis (mit halber Kraft) zum Bauch – 2-3 Atemzüge halten – lockerlassen. Sie spüren die Muskelanspannung am Damm. Wiederholen Sie diese Übung einige Male.

Auch ohne Erektionsfähigkeit bleiben das Gefühl am Penis und die Orgasmusfähigkeit erhalten.

                                                       Beckenbodentraining beim Mann - Wie wird trainiert?

                                                                     Es existiert eine Vielzahl an Übungen zum Training des Beckenbodens. Diese sind                                                                     meist auf die Probleme des weiblichen Beckenbodens zugeschnitten. Durch die anatomischen Unterschiede zwischen Männern und Frauen sind die Übungen daher für Männer meist nicht geeignet. Bei Frauen resultiert eine Inkontinenz meist aus einer Schwäche der Beckenbodenmuskulatur oder einer Senkung der Organe. Beim Mann handelt es sich meist um ein diffiziles Problem des Harnröhrenschließmuskels, der Blase oder des Nervensystems.

Beckenbodentraining bei Inkontinenz

Der äußere Harnröhrenschließmuskel ist sozusagen als „Hauptakteur“ zuständig für die männliche Harnkontinenz. Daraus resultiert, dass der Fokus des männlichen Beckenbodentrainings auf dem äußeren Harnröhrenschließmuskel liegt.

  1. Schulung der Sensibilität

  2. Kräftigung

  3. Differenzierung und Koordination mit den anderen Muskeln des Beckenbodens

  4. Entspannung

  5. In welchen Situationen wird Urin verloren

  6. Anpassen des Trainings auf diese Situation

  7. Führung eines Blasentagebuches (zur Diagnosestellung und zur Dokumentation des Therapiefortschrittes)

  8. Alltagstipps

  9. Eventuell unterstützende Elektrotherapie (nicht anal!)

 

Beckenbodentraining bei Drangproblematik

Müssen Sie oft, auch in der Nacht und meist sehr dringend die Toilette aufsuchen?

Grundsätzlich ähnelt das Training bei Drangproblematik jenem bei Inkontinenz. Häufig handelt es sich nicht um eine reine Drangproblematik, sondern um eine Kombination mit Inkontinenz.

Ziel der Therapie ist es die Blase zu beruhigen und ihr Fassungsvermögen zu vergrößern.

 

4 Strategien können Ihnen dabei helfen Ihre Blase zu beruhigen.

  1. Entspannung mit tiefer Bauchatmung

  2. Schnüren des äußeren Harnröhrenschließmuskels

  3. Druck auf die Eichel

  4. Ablenkung

 

Beckenbodentraining bei Impotenz

Beginnen Sie möglichst rasch nach der Entfernung des Katheters mit einer

sanften Therapie (Penis vorsichtig in die Länge ziehen/walken/kneten).

  1. Durchblutungsfördernde Maßnahmen

  2. Kräftigung der die Potenz fördernden Beckenbodenmuskeln

  3. Einsatz einer Vakuumpumpe (außer bei starker Blutverdünnung) für die penile Rehabilitation (Längenerhalt des Penis, bessere Durchblutung des Penis, Funktionserhaltung der Schwellkörper)

Mit der Entlassung aus dem Spital sollten Sie mit der Einnahme eines PDE-5-Hemmers (z.B. Viagra) beginnen – allerdings mit einer Minimaldosis – sprechen Sie bitte mit Ihrem Urologen.

Das „Beckenbodentraining“ oder besser „Kontinenztraining“für den Mann unterscheidet sich wesentlich von jenem für die Frau.

bottom of page